“Haussegen” – Eine Andacht zu Epiphanias

Andacht, Mitarbeiter/innen

Haussegen

„Epiphanias (griech.: Erscheinung) ist eines der ältesten kirchlichen Feste, denn es wird bereits seit dem 4. Jahrhundert gefeiert und am 6. Januar begangen. An diesem Tag beginnt die Epiphaniaszeit, die nach zwei bis fünf Sonntagen mit dem „Letzten Sonntag nach Epiphanias“ endet. Am Epiphaniastag steht die Erzählung von den „Weisen aus dem Morgenland“ (Matthäus 2,1-12) im Vordergrund. Die Weisen aus dem Morgenland sind dem Stern, der bei der Geburt Jesu aufgegangen war, gefolgt, um dem „König der Juden“, den sie als den angekündigten Weltheiland erkannten, die Ehre zu geben. Deswegen ist das Epiphaniasfest heute auch wohl eher als „Dreikönigstag“ bekannt.

Vielerorts gibt es aber eine wunderschöne Tradition, wenn die Sternsängerinnen und Sternsänger  – einer römisch-katholischen Tradition folgend – von Haus zu Haus ziehen und singend und für einen guten Zweck sammelnd auf Türen und Türbalken „C + M + B“ sowie die jeweilige Jahreszahl schreiben. Diese Abkürzung steht nicht etwa für die Namen der Weisen (Caspar, Melchior und Balthasar), sondern wird als Abkürzung des Segenswunsches „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus) gelesen.“  ( Material von www.ekd.de)

Ich finde diesen Brauch wunderbar. Das Segenszeichen wird in der Regel so angebracht, dass es das ganze Jahr gesehen und gelesen werden kann. Wer das Haus betritt wird immer wieder daran erinnert, welch großartiges Fest wir gerade mit dem Weihnachtsfest gefeiert haben:  die Geburt Jesu.  Und selbst dann, wenn das Weihnachtsfest schon wieder in die Ferne gerückt ist bleibt der Segenswunsch erhalten, der für mich noch mehr bedeutet, als ein Wunsch.  Ich sehe darin auch eine Art Bekenntnis. Christus soll das Haus und die, die darin wohnen, segnen.  Es ist ein Segen und zugleich eine Einladung an Christus: Sei die Kraft der Hoffnung und des Vertrauens in meinem (Lebens-) Haus. Sei in meinem Alltag und begleite meinen Weg. Sei bei mir, Christus, in meinen Zweifeln, in meinen Sorgen, Ängsten. Sei bei mir in meiner Freude und bei den Festen. Christus an der Seite zu haben, ihn in den eigenen Alltag hinein zu lassen, sich seine Gegenwart wünschen und darauf vertrauen, das kann Kraft für viele Situationen im Leben geben.

Via Flickr unter CC-Lizens von Frank HammChristus segne dieses Haus“ – das ist keine Garantie für ein sorgenfreies Leben, aber es ist die  Bitte um Gottes Gegenwart, in allem was uns begegnet. Ich muss dabei an die orthodoxe Tradition der Ikonenmalerei denken. Ikonen, das sind  kunstvoll gemalte Christusdarstellungen, die in jedes orthodoxes Haus gehören. Der Gedanke bei diesen Bildern  ist aber nicht nur, sich mit diesem „Christusbild“ immer wieder durch die Betrachtung auf Gottes Gegenwart auszurichten, sondern im orthodoxen Verständnis ist eine Ikone zugleich eine Art „Fenster“, durch das Gott selbst liebend  in unser Leben blickt.  Welch schöner Gedanke! Gott „erscheint“ und ist in unserem Leben gegenwärtig. Das ist tatsächlich ein guter Grund für ein Fest. Das „Erscheinungsfest“ – Epiphanias.

Den Sternsängerinnen und Sternsängern, die auch in diesem Jahr wieder viele Häuser segnen werden, wünsche ich Gottes Segen für Ihren Dienst. Uns allen wünsche ich, dass wir viel von Gottes Gegenwart spüren, in allem was unser Leben ausmacht. Gott segne unsere „Lebens“- Häuser.

Von Diakon Klaas Grensemann, Kreisjugenddienst Norden

Diese Andacht gibt es auch als PDF zum Download.

Türrahmen-Bild via Flickr unter CC-Lizens von Frank Hamm